Di. 27. 12. 2005 um 21:00 Uhr  

Glücksbringende Pflanzen - ein Text von Miriam Wiegele

In den letzten Tagen des Jahres kommen Pflanzen in die Blumengeschäfte, die noch an die alten Rituale erinnern und dazu dienten, dem haus und seinen Bewohnern Glück für das kommende Jahr zu bringen. Nur wenig ist dabei vom Wissen der alten Zauberpflanzen übrig geblieben. 

Zauberpflanzen

Vielfältig, dachte man, ist die Wirkung der Zauberpflanzen. Sie sollten sowohl Erwünschtes herbeizaubern als auch Übel fernhalten. Karg war das Leben der Mehrheit der Menschen in früheren Zeiten, groß war daher der Wunsch, reich zu werden oder wenigstens Hunger und Not zu entgehen. Glücksbringende Kräuter sollten dabei helfen. Man sprach ihnen, vor allem auch je nach Signatur, verschiedene Wirkungen zu. Bei so geheimnisvollen und begehrten Pflanzen wie der Alraune brachte der Besitz alleine schon Glück. Andere wieder, wie das Tausendguldenkraut, sollten helfen, das Geld zu vermehren. Mit Springwurz gewappnet, war es möglich, geheime Schätze zu finden und Schöllkraut und Frauenmantel sollten helfen, Gold herzustellen. Wenn man dann noch eine passende Wünschelrute vom Haselstrauch hatte, war es möglich, alles zu finden, was der Mensch so brauchen würde.

Wer über solchen Aberglauben lacht, der möge sich darüber bewusst werden, was Aberglauben ist,  nämlich Glauben wider die bessere Vernunft. Der treibt aber auch heute noch sonderbare Blüten. Lottospielen beispielsweise ist ein typischer Akt des Glaubens wider die Vernunft, denn die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, ist gering. Dennoch hofft jeder auf sein Glück und um dies herbeizuzaubern, wird viel magisches Beiwerk versucht. Vielleicht sind die Pflanzen, die man früher zum Öffnen der im Berg verborgenen Schätze verwendete, auch heute noch zauberkräftig genug, um den Jackpot zu sprengen und wenn man mit ihnen ein „Glücksgärtchen“ anlegt, hat man zumindest immer ein Glücksgefühl beim Anblick.

 

Glücksmännlein nannte man die Alraunwurzel (Mandragora officinarum) und ihr „glücklicher Besitzer“ konnte darauf hoffen, dass sie zu Geld und Ehren verhelfen würde. Allerdings musste man vorher sehr viel investieren, denn mit den Alraunwurzeln wurde ein schwunghafter Handel betrieben und ihr Preis war hoch. Je menschenähnlicher die Wurzel war, desto teurer war sie, aber nur solche sollten Glück bringen. Man musste dieses „Wichtelmännlein“ auch besonders pflegen: „Wenn der Erdmann mit warmem Wasser und Wein gebadet ist, besprenge Haus und Vieh mit dem Badewasser“, steht in dem Brief eines geachteten Leipziger Bürgers aus dem Jahre 1575 zu lesen. Der Alraun brachte Glück und verdoppelte in stiller Nacht neben ihn gelegtes Geld. Daher sagte man in manchen Gegenden „Der hat sein Geld zu einer Mandlwurzen gelegt“, wenn jemand plötzlich zu Wohlstand kam und seine Umgebung keine Erklärung dafür fand.

Wenn man artig wartete, gab der Alraun Bescheid auf alle Fragen und prophezeite die Zukunft. Er schützte vor jeder Art von Schadzauber und „wenn du zu Gericht gehst, so stecke den Erdenmann unter den rechten Arm und du bekommst eine gerechte Straf, sei sie Recht oder Unrecht“, schreibt der schon erwähnte Leipziger Bürger. Es gab fast nichts, zu dem der Alraun nicht imstande war.

Umso selbstverständlicher war es, dass jedermann interessiert war, ein derartiges Wundermittel zu besitzen. Die Folge blieb nicht aus: Nicht nur, dass die Mandragora manchmal mit Geld aufgewogen wurde, alle möglichen Wurzeln mussten herhalten, um als Alraune zu gelten.

 

Besonders häufig wurde die Zaunrübe (Bryonia dioica) als Alraunwurzel verkauft. Bei dieser Wurzel musste gar nicht ein menschenähnliches Aussehen geschnitzt werden, die Zaunrübe hat ebenfalls meist eigenartig geformte Wurzeln. Daher wurde die Zaunrübenwurzel nicht nur fälschlich als Alraunenwurzel genutzt, sie galt selber als Glücksbringer. Vor allem bei den slawischen Völkern stand sie als Amulettpflanze in hohem Ansehen. Es wurde als glückbringend betrachtet, wenn die Zaunrübe in Hof oder Garten wuchs und die Pflanze musste gut behandelt werden, da sie sich sonst rächte und statt Glück Unheil brachte. Wenn man die Wurzel ausgrub, musste man eine Münze oder ein Stück Brot als Dankesopfer auf die Erde legen  und die ausgegrabene Wurzel wurde in Milch gebadet und in ein Tuch eingehüllt, im Haus aufbewahrt. Auch als Liebeszaubermittel wurde die Wurzel verwendet. Eher abzuraten ist davor, sich durch den Genuss der Wurzel von angezauberter Liebe zu befreien – man dachte, dass die dramatisch abführende Wirkung auch die nicht gewollte Liebe „abführen“ könne.

 

Als der Glücksbringer schlechthin gilt seit jeher der Klee. Wegen der Dreizähligkeit seiner Blätter war der Wiesenklee (Trifolium pratense) schon in frühesten Zeiten eine Symbolpflanze. Für die Kelten war der Klee ein Glücksymbol wie das Schwein. Der irische Nationalheilige St. Patrick machte daraus für die „heidnischen“ Inselbewohner ein christliches Symbol der Dreifaltigkeit, in dem er verdeutlichte, dass beim Klee drei Blättchen einem gemeinsamen Stiel entwachsen. Das Kleeblatt wurde so sehr zu einem irischen Symbol, dass es auch in die Nationalfahne aufgenommen wurde.

Der Klee kann gelegentlich Mutationen zeigen und wächst dann zwei-, vier-, fünf-, sechs- und sogar siebenblättrig. Für die Kelten hatte jede Zahl der Kleeblätter eine besondere Bedeutung. Vielfach gilt Klee mit mehr als vier Blättchen als unheilbringend. Für die Inselkelten, die Iren, ist das nicht der Fall: ein fünfblättriges Kleeblatt verhilft zu Ruhm, ein sechsblättriges macht reich und ein siebenblättriges garantiert langes Leben und Wohlergehen.

Der vierblättrige Klee aber war schon immer der Inbegriff des Glücks. Er versinnbildlicht die perfekte Ausgeglichenheit und vor allem, wenn man ihn zu einer magischen Zeit wie der Morgendämmerung oder etwa zu Johanni findet, ist er ein Garant für die Erfüllung jeden Wunsches. Darüber hinaus soll so ein Kleeblatt vor Zauber und Teufelsspuk helfen, gegen Kugeln gefeit machen und auch zum Glück im Spiel verhelfen.

Der Klee mit vier Blättern, der vom Gartenhandel um den Jahreswechsel herum verkauft wird, ist eine Zuchtform des Sauerklees (Oxalis tetraphylla), der mit dem Wiesenklee nicht verwandt ist. Es ist sicher zauberträchtiger, die äußerst seltene vierblättrige Form eines Wiesenklees zu finden, aber alle Pflanzen können eine zauberhafte Wirkung auf den Menschen ausüben und daher sollte man weiterhin diesen Sauerklee lieben Menschen schenken.

 

Warum der Fliegenpilz gemeinsam mit vierblättrigem Klee, Hufeisen und rosigen Schweinen zum Glückssymbol wurde, ist nicht ganz klar. Einerseits wird der Fliegenpilz als Rauschmittel und giftig verdammt, andererseits ist er ein beliebtes Motiv in Kinderbüchern. Wer „Alice im Wunderland“ allerdings genauer liest, kann auch einiges über die halluzinogene Wirkung erfahren. Je nachdem, von welcher Seite des Pilzes Alice ein Stück abbricht, wird sie größer oder kleiner. Das kann so erklärt werden, dass die Wirkstoffe des Fliegenpilzes alles, was groß ist, kleiner erscheinen lassen oder was klein ist, größer erscheinen lassen, insgesamt nennt man dieses Phänomen Metamorphopsie. Aus diesem Grund dachte man, dass der Fliegenpilz das Tor zu anderen Welten öffnen kann, zu schamanischen Welten, die ein verborgenes Wissen und Einsichten in das Mysterium des Lebens vermitteln können.  Dieser wunderschöne und unverwechselbare rote Fliegenpilz sollte den Zugang zu Welt  der Feen, Nymphen Zwerge und Kobolde vermitteln, die auf der Suche nach dem Glück hilfreich sein können. Weshalb der Pilz zu einem „harmlosen“ Glücksbringer umfunktioniert wurde, ist vermutlich ganz einfach der Versuch, seine wahre magische Bedeutung zu verniedlichen.

Neben dem Fliegenpilz ist das bedeutendste Glückssymbol der Rauchfangkehrer. Auch Kamine und Schornsteine galten  als Tore zu anderen Welten und der Rauchfangkehrer macht diesen Zugang durch seine Tätigkeit sauber und überhaupt erst möglich.     

 

        

    

          



 

 

Interviewpartner und Infos:

Univ. Doz. Dr. Margot Schmitz

www.schmitz.at

 

Dr. Thomas Meisermann

E- Mail: meisermann@aon.at

 

Dipl. Psych. Holger Kalweit

www.pichard.de/REIKI/dunkel.htm

 

Univ. Prof. Dr. Reinhard Länger

E- Mail: reinhard.laenger@univie.ac.at

 

Dr. Christian Rätsch

Dr. Claudia Müller- Ebeling

www.christian-raetsch.de

 

Informationen zur Sendung:

E- Mail: miriam.wiegele@orf.at

 

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aktualisiert am 13.12.05