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Mo. 20. 03. 2006 um 21:00 UhrFrühjahrsmüdigkeit, Teil unseres Jahresrhythmus, ein Text von Miriam Wiegele |
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Ist es noch der Winterschlaf oder schon die Frühjahrsmüdigkeit, die uns im Moment zu schaffen macht? Tatsache ist, dass viele Menschen derzeit klagen, mehr als üblich erschöpft und abgeschlafft zu sein.
Der JahresrhythmusDer Tagesrhythmus bestimmt unser tägliches Leben, doch wir haben als innere Uhr auch einen Jahresrhythmus angelegt. Ein Jahr, so steht es im Lexikon, ist „der Zeitabschnitt, der durch den Umlauf der Erde um die Sonne definiert ist und den Ablauf der Jahreszeiten wiedergibt.“ Während dieser 365 Tage verändert sich nicht nur der Stand der Sonne, sondern auch das Leben des Menschen. Die Wissenschaft nennt das den circannualen Rhythmus, der laut Chronobiologie sowohl direkt als auch indirekt von der Sonne festgelegt wird. Direkt, weil das Licht der wichtigste Zeitgeber für die innere Uhr ist und indirekt, weil der Sonnenstand die Jahreszeiten bestimmt. Die komplexen Umstellungen des Organismus im Jahresrhythmus gehen auch mit Veränderungen von Hormonhaushalt, Stoffwechsel, Kreislauf, Blutbildung u. a. einher.
Die innere Uhr als biologischer WeckerEs sind aber nicht nur die meteorologischen Veränderungen, die uns nun in Frühjahrsmüdigkeit oder Frühlingslaune versetzen. „ Wir besitzen ein biologisches Pendel, das auf molekularer Ebene auf und ab schwingt und unseren Organismus unentwegt und unbemerkt vorausschauend handeln lässt. Es sagt uns schon dann, welcher Tagesordnungspunkt an der Reihe ist, wenn äußere Reize noch fehlen“, erklärt der Physiologe und Chronobiologe Univ. Prof. Dr. Maximilian Moser vom Joanneum Research der Uni Graz. Daher stellt uns unsere innere Uhr derzeit auf Frühling um, auch wenn im Moment die meteorologischen Verhältnisse dem gar nicht entsprechen.
Wie kommt es zur Frühjahrsmüdigkeit?Was passiert nun im Frühling und was steckt dahinter, wenn wir uns plötzlich aktiver fühlen oder im Gegensatz dazu furchtbar müde? Eine Reihe von feinen Wechselwirkungen zwischen äußeren Umweltveränderungen und körpereigenen Reaktionen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Das Verhältnis von Tag- und Nachtlänge beispielsweise und damit der Rhythmus von Wach- und Schlafphasen. Der März ist der Monat, in dem die Tage spürbar länger werden, bis es schließlich am 21. März zur Frühlings- Tag und Nachtgleiche kommt. Wir sind also vermehrten Lichtreizen ausgesetzt. Licht, wurde schon gesagt, ist der wichtigste Taktgeber für den Menschen. Die Netzhaut unseres Auges dient nicht nur dem Sehen, sondern sie empfängt auch Lichtsignale, die im Gehirn biochemische Vorgänge steuern. Das Auge teilt dem Gehirn mit, ob es Tag oder Nacht ist. Heißt die Information Nacht oder weniger Licht wie im Winter, produziert die Zirbeldrüse müde machendes Melatonin. Die Aktivität des Körpers wird auf Sparflamme geschaltet. Tagsüber wird das Melatonin wieder abgebaut und je mehr Licht und Sonne, desto mehr wird der Botenstoff Serotonin gebildet, der uns munter macht und unsere Stimmung hebt. Das Verhältnis der Produktion dieser beiden Botenstoffe muss nun einpendeln und das kann zu den typischen Symptomen der Frühjahrsmüdigkeit führen.
Die Wetterumstellung macht uns zu schaffen.Gestern Schneeschauer und Sturm, morgen hoffentlich milde Temperaturen und Sonnenschein. Die Änderung der Großwetterlage macht uns im Frühjahr zusätzlich zu schaffen. Die Blutgefäße passen sich an die jeweiligen Temperaturen an, bei Wärme werden sie weit, bei Kälte wieder enger, damit der Körper nicht zuviel Wärme abgibt. Oft genug können sie sich im Frühjahr nicht schnell genug an den Wetterwechsel anpassen. Schwindel, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind die Folgen.
Müde durch Vitamin- und MineralstoffmangelAuch wenn heutzutage die Versorgung mit frischem Gemüse und Obst das ganze Jahr hindurch garantiert wird, ist das Gemüse, das im Winter produziert wird, gleich ob bei uns in Europa in Glashäusern kultiviert oder aus der südlichen Hemisphäre stammend, nicht so reich an Vitaminen wie von Sonnenstrahlen ausgereiftes Gemüse und Obst. Dazu kommt, dass unsere Mineralstoffspeicher oft wie leergefegt sind. Jetzt brauchen wir besonders viel Eisen, dessen Mangel ja mit Müdigkeit einhergeht und dazu Magnesium und Kalium.
Sauerstoff - und Bewegungsmangel macht müdeIm Winter sitzt man lieber gemütlich im Warmen, als sich raus in die Kälte zu zwingen. Aber wenig frische Luft und wenig Bewegung bedeutet für den Körper geringere Sauerstoffzufuhr, der Stoffwechsel verlangsamt sich. Man wird müde und träge.
Chronisch müde oder frühjahrsmüde?Wenn man sich besonders matt und abgeschlagen fühlt, sollte man überlegen, ob diese Müdigkeit nicht auch andere Ursachen hat als die Umstellung im Frühjahr. Folgende Krankheiten können Müdigkeit hervorrufen: ● Infektionen, vor allem unerkannte Viruserkrankungen wie Pfeiffer’sches Drüsenfieber führen zu einem „Leben auf halber Flamme“. ● Depressionen können mit Müdigkeit am Tag und Schlaflosigkeit in der Nacht einhergehen. ● Schilddrüsenunterfunktion und Diabetes sind oft mit Müdigkeit verbunden. ● Lebererkrankungen zeigen oft als einziges Symptom Müdigkeit. ● Anämie führt zu Müdigkeit und bei Frauen vor allem eine Eisenmangelanämie. ● Herz – Kreislauferkrankungen wie Altersherz oder niedriger Blutdruck gehen mit Müdigkeit einher.
Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)Ob es sich dabei um eine eigenständige Krankheit handelt, die möglicherweise durch Viren ausgelöst wird, wird von der Wissenschaft noch heftig diskutiert. Chronische Müdigkeit ist aber meist die Folge unsere kräfteverzehrenden Lebensstils. Zu viel Arbeit und Stress, zu viel Freizeit- Stress und auch Fitness- Wahn, unkritischer Konsum von Genussmitteln, Nahrung, der die Vitalstoffe fehlen, das alles kann zu chronischer Müdigkeit führen, die nun im Frühjahr besonders extrem werden kann.
Was tun gegen FrühjahrsmüdigkeitMineralstoff – und Vitaminzufuhr: Die Nahrung sollte besonders gemüsereich sein. Dabei ist es sinnvoll, auf Lagergemüse wie Kartoffel, Kohl, Kraut, rote Rüben etc. zurückzugreifen und Salate wie Chinakohl oder Endivie zu essen. Sobald erstes Gemüse wieder aus der Erde sprießt, sollten möglichst viele Wildkräuter verspeist werden, da sie jetzt im Frühjahr besonders mineralstoffreich sind. Bis es so weit ist, dass wir Wildkräutersuppen kochen können, sollte man auf Pflanzensäfte wie Brennessel- oder Löwenzahnsaft zurückgreifen, die in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Auch Säfte von Wildfrüchten wie Sanddorn oder Schlehe sind besonders vitalisierend. Eine tägliche Gemüsebrühe, in der Suppengemüse und vor allem Kräuter wie Petersil und Liebstöckel lange gekocht werden, ist reich an Eisen, Magnesium, Kalium u. a. Außerdem hat sie eine basische und somit entsäuernde Wirkung.
Pflanzliche Heilmittel:
Taigawurzel: Adaptogene sind Wirkstoffe, die das vegetative Nervensystem ausgleichen können. Sie können daher auch das Wechselspiel von Melatonin und Serotonin regulieren. Die Taigawurzel ist eine solche adaptogene Heilpflanze. Man nimmt sie am besten in Form von Dragees. Die Taigawurzel hilft bei Abgeschlagenheit und Erschöpfung, macht den Körper widerstandsfähiger gegen Stressfaktoren wie Wetterextreme und ist dazu noch immunstärkend.
Hafer- Urtinktur: Hilft bei Schwächezuständen und Erschöpfung, Schlaflosigkeit durch Übermüdung und wenn man das Gefühl hat, überfordert zu sein. Täglich 3 mal 5 Tropfen nehmen.
Salbeiblütenextrakt: Hilft vor allem bei Eisenmangelanämie und körperlichen und nervösen Erschöpfungszuständen. Täglich 2 mal 10 Tropfen.
Rosmarin: Vor allem Menschen mit niedrigem Blutdruck sollten statt Kaffee in der Frühlieber einen Rosmarintee (im Aufguss zubereiten, max. 3 Minuten ziehen lassen) trinken. Rosmarin hilft auch bei Wetterfühligkeit und Altersherz. Nicht bei hohem Blutdruck!
Weißdorn: Hat eine durchblutungsfördernde Wirkung auf die Herzkranzgefäße, dadurch hat der Herzmuskel mehr Sauerstoff und Energie zur Verfügung, was natürlich dem gesamten Organismus zu gute kommt.
Engelwurz: Die Kombination von ätherischen Ölen und tonisierenden Bitterstoffen hilft zwar primär den Stoffwechsel anzuregen, Engelwurz (Tee im Aufguss, 10 Minuten ziehen lassen) ist aber auch ein hervorragendes Mittel gegen Erschöpfungszustände. Vielleicht hilft diese Wurzeldroge auch besser verwurzelt gegen stürmische Wettersituationen zu sein.
Prunus – Essenz: Aus der anthroposophischen Medizin stammt der Rat, eine Essenz aus den Schlehenfrüchten (Prunus spinosa) als Badezusatz gegen Erschöpfungszustände und Müdigkeit einzusetzen. Auf ein Vollbad 2 – 3 EL geben. Ihre Anwendung wird aus der Signaturlehre abgeleitet: die Schlehe blüht als eine der ersten im Frühjahr und ihre Früchte sind erst nach den ersten Frösten im Spätherbst genießbar. Die Prunus – Essenz vermittelt uns sozusagen die Energie eines gesamten Vegetationsjahres.
Anregende Gewürze: Aus Sicht der TCM befinden wir uns bis zum 21. März noch in der Wandlungsphase Wasser. Das bedeutet, dass uns in dieser Übergangsphase scharfe Gewürze wie Ingwer oder auch Kren helfen können, Energie aufzubauen. Nach dem 21. März sollte man allerdings mehr „grüne“ Würzkräuter verwenden, also auch aus Sicht der TCM ist es sinnvoll mit Wildkräutern wie Gundelrebe, Bärlauch, Knoblauchrauke u. a. im Frühling zu würzen.
Anregende ätherische Öle: Zitrusöle wie Bergamotte, Clementine, Limette bringen sozusagen „Lichtkräfte“. Das heißt, sie wirken stimmungsaufhellend und können helfen, die Serotoninproduktion anzukurbeln. Entweder als Badezusatz (pro Vollbad 6 Tropfen äth. Öl mit wenig Milch verschütteln) oder in Duschgels geben. Rosmarin: Kann nicht nur als Tee verwendet werden, sondern auch als äth. Öl. Besser nicht als Badezusatz, sondern in Duschgels oder als Massageöl (10 Tropfen auf 50 ml Mandelöl). In dieser Form wirkt es auch hervorragend, wenn man die Herzgegend damit einschmiert. Nicht bei hohem Blutdruck. Nadelöle wie Fichte, Latsche, Tanne bringen sozusagen „Grünkräfte“. Die Farbe Grün bringt aus Sicht der TCM Energie im Frühling. Darüber hinaus sind Nadelöle durchblutungsfördernd und verbessern die Durchatmung. Das bringt wieder viel Sauerstoff und Energie. Anwendung wie oben.
Energieübung aus der TCMAus der TCM stammt auch der Rat, den Punkt Qui Hai, das Meer der Energie, das mit dem Nabel übereinstimmt, zu stimulieren, indem man die Hände darüber verschränkt und tief hinein atmet. Frauen legen erst die rechte Hand so über den Nabel, dass der Daumen senkrecht nach oben gehalten wird und dann legt frau die linke Hand darüber und verschränkt die Daumen. Männer machen es genau umgekehrt. Bis zu zehn mal wirklich tief hineinatmen, damit wird durch die Bauchatmung dieser Energiepunkt stimuliert. Am Rücken, direkt gegenüber vom Nabel liegt der Punkt Ming Men, das Tor der Energie und zwei Querfingerbreit seitlich davon befinden sich die zwei Nieren- Zustimmungspunkte Shenshu am Blasenmeridian (B 23). Wenn man, wie man das so oft instinktiv macht, beide Hände auf Höhe der Nieren in den Rücken stemmt, dann aktiviert man diese Punkte und bekommt wieder Kraft und Energie.
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aktualisiert am 16.03.06 |
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